Gewalt in der Partnerschaft

Frauen sind häufig mehrfacher Gewalt ausgesetzt. Etwa 2/3 der Frauen, die Gewalt in Partnerschaften erleben (FRA, 2014), berichten von mehrfachen Gewaltereignissen. Internationale Studien belegen einen Zusammenhang von Gewalt- und Gesundheitsbelastung für eine Vielzahl von gesundheitlichen Bereichen:

  • Depression

Das Risiko an Depression zu erkranken ist 3,3fach erhöht (Devries et al., 2013). In einer Übersichtsarbeit (Dillon et al., 2013) haben 9 –28% aller depressiven Erkrankungen einen Gewalthintergrund. Wurden die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Gewaltformen getrennt erfasst (Pico- Alfonso et al., 2006), erwies sich psychische Gewalt bzgl. Depression als ebenso erkrankungsrelevant wie körperliche Gewalt.

  • Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS):

Studien geben 2,5-3fach höhere Häufigkeit für PTBS-Symptome für Frauen mit Häuslichen Gewalterfahrungen an (Dillon et al., 2013).

Zu den weiteren psychischen Folgen von Partnergewalt zählen Angstzustände, Panikattacken, Schlafstörungen, Verlust von Selbstvertrauen, Konzentrationsstörungen (Devries et al., 2011; CDC, 2011; Ellsberg et al., 2008; Lowe et al., 2007). Dabei gaben 90% der von Partnergewalt betroffenen Frauen mindestens zwei dieser gesundheitlichen Auswirkungen an (Devries et al. 2011; Ellsberg et al., 2008).

  • Chronische Schmerzsyndrome

Diese Beschwerden werden in vielen Studien als relevante Gesundheitsfolge von Gewalt beschrieben (Dillon et al., 2013; Devries et al, 2011; Loxton et al., 2006). Nach einer kanadischen Studie (Wuest et al., 2007) berichteten 35% aller befragten gewaltbelasteten Frauen noch nach durchschnittlich 20 Monaten Trennung vom Partner von Schmerzsyndromen.

Für eine Vielzahl weiterer chronischer Gesundheitsprobleme wurde ein Zusammenhang mit Partnergewalt und sexualisierter Gewalt belegt. So u.a. für: Gastrointestinale Beschwerden, cardiovaskuläre Erkrankungen, Asthma und/ oder Essstörungen.

Studien mit Zusammenhängen von Gewalt und Gesundheitsbelastung belegen, dass die Langzeitfolgen der psychischen Gewalt ebenso gravierend sind wie die der körperlichen Gewalt (Basoglu et al., 2007; Coker et al., 2000).

  • Sucht

Je nachdem welche Frauen befragt wurden zeigte sich bei jeder 2. bis 4. gewaltbetroffenen Frau eine Suchtproblematik. Wurden diese Frauen nach Gewalterfahrungen im Lebenslauf befragt, berichtete jede 2. bis fast jede Frau (80%) von solchen Erfahrungen. Ebenso viele Frauen, die sich in Suchtbehandlung befanden, berichteten auch von Partnergewalt (Bennett, Bland, 2008).

Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen

Gewalt in jugendlichen Beziehungen führt auch zu gravierenden Gesundheitsproblemen (Vagi, 2015; Exner-Cortens et al.; 2013; Foshee et al., 2013; Kann et al., 2011; Roberts, 2005). In dieser Lebensphase sind bei jungen Frauen insbesondere Depressionen, Ängste, erhöhter Konsum von Zigaretten, Alkohol und härteren Drogen, riskantes (Sexual-)Verhalten belegt. Hinzu kommen Auswirkungen auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit junger Frauen, wenn Nötigung und Kontrolle im Kontext von Sexualität und Verhütung Selbstbestimmung verhindern.

 

Literatur:

FRA (2014): Violence against women: an EU-wide survey. Main results report, dt: Gewalt gegen Frauen: Eine EU-weite Erhebung –Ergebnisse auf einen Blick.

Bennett, L.,  Bland, P. (2008). Substance Abuse and Intimate Partner Violence. Harrisburg, PA: VAWnet, a project of the National Resource Center on Domestic Violence/Pennsylvania Coalition Against Domestic Violence. www.vawnet.org

Devries, KM.; Mak, J.; Bacchus, LJ; Child, J.C.; Falder, G.; Petzold, M.; Astbury, J.; Watts, CH. (2013): Intimate Partner Violence and Incident Depressive Symptoms and Suicide Attempts: A Systematic Review of Longitudinal Studies, DOI: 10.1371/journal.pmed.1001439 PLOS Collections.

Dillon, G.; Hussain R.; Loxton, D.; Rahman, S. (2013): Mental and Physical Health and Intimate Partner Violence against Women: A Review of the Literature, International Journal of Family Medicine, Zugriff unter: http://dx.doi.org/10.1155/2013/313909.

Pico-Alfonso, M.A.; Garcia-Linares, I.M.; Celda-Navarro, N.; Blasco-Ros, C.; Echeburúa, E.; Martinez, M. ( 2006): The impact of physical, psychological, and sexual intimate mal partner violence on women’s mental health: depressive symptoms, posttraumatic stress disorder, state anxiety, and suicide, Journal of Women’s Health, (15):5, 599–611.

 

Brzank, P.; Hellbernd, H.; Maschewsky-Schneider, U.; Kallischnigg, G. (2005): Häusliche Gewalt gegen Frauen und Versorgungsbedarf. Ergebnisse einer Befragung von Patientinnen einer Ersten Hilfe/ Rettungsstelle. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 48(39): 337-345.

National Center for Injury Prevention and Control Centers for Disease Control and Prevention (2011): The National Intimate Partner and Sexual Violence Survey, Atlanta 2011.

Lowe, P.; Humphreys, C.; Williams, SJ. (2007): Night terrors: women’s experiences of (Not) sleeping where there is domestic violence. Violence Against Women, 13(6): 549–561.

Loxton, D.; Schofield, M.; Hussain, R.; Mishra, G. (2006): History of domestic violence and physical health in midlife. Violence Against Women, 12(8): 715–731.

Wuest, J.; Merritt-Gray, M.; Ford-Gilboe, M.; Lent, B.; Varcoe, C.; Campbell, JC. (2008): Chronic pain in women survivors of intimate partner violence, Journal of Pain, 9(11): 1049–1057.

Coker, AL.; Smith, PH.; Betha, L.; King, M. (2000): Physical Health Consequences of Physical and Psychological Intimate partner Violence, ARCH FAM MED, 9: 451-457.

Basoglu M., Livanou M., Crnobaric C. (2007): Torture versus other cruel inhuman and degrading treatment: Is the distinction real or apparent? Archives of General Psychiatry, 64: 1-9. Zugriff unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17339516.