Frauen mit Behinderungen

Frauen und Mädchen mit Behinderung sind im Vergleich zu denen ohne Behinderung 2-3- häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen, und dies sowohl während Kindheit und Jugend wie auch im Erwachsenenalter. Von körperlicher und psychischer Gewalt sind sie etwa doppelt so häufig betroffen.

Seit 2012 liegen für Deutschland die Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung zur Lebenssituation und zu Problemlagen von Frauen mit Behinderungen (Schröttle, Hornberg, 2012) vor. Besonders auffällig ist die hohe Betroffenheit durch sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend. Körperliche und psychische Gewalt erfahren Frauen mit Behinderung in frühen Jahren erheblich mehr als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt; von sexualisierter Gewalt sind Frauen resp. Mädchen mit Behinderung 2-3x häufiger betroffen.

Die repräsentative Untersuchung (Schröttle, Hornberg, 2012) weist nach, dass Frauen mit Behinderung und Beeinträchtigungen ein sehr viel höheres Risiko für Gewaltwiderfahrnisse haben als Frauen in Deutschland insgesamt. In besonders hohem Maße von Gewalt betroffen sind gehörlose Frauen und Frauen mit Lernschwierigkeiten. Dies gilt für alle Altersstufen und unabhängig davon, ob Frauen in der Familie, alleine oder in einer Einrichtung leben.

Körperliche und psychische Gewalt tritt dabei je nach Art der Behinderung bis zu doppelt so häufig auf als bei Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Für sexualisierte Gewalt ist die Prävalenz um das 2 bis3-fache erhöht.

Frauen mit Behinderungen tragen (nicht) nur ein höheres Risiko, Gewalt zu erfahren; frühe Gewalterfahrungen tragen umgekehrt auch zu späteren gesundheitlichen und psychischen Behinderungen und Beeinträchtigungen bei.

Die Täter finden sich, wie bei Frauen des Bevölkerungsdurchschnittes, ganz überwiegend in Familie und Partnerschaft. Frauen in Einrichtungen geben zusätzlich Mitbewohner_innen, Arbeitskolleg_innen sowie Mitarbeitende der Einrichtung oder Werkstatt als Täter_innen an. Auch im Bereich der psychischen Gewaltausübung in Form von Diskriminierungen und verbalen Demütigungen in Ämtern und Behörden wurde eine erhöhte Betroffenheit festgestellt. Erfahrungen dieser Art werden von nahezu allen befragten Frauen mit Behinderungen benannt.

 

Literatur

Frauen und Mädchen mit Behinderungen

Die deutsche repräsentative Studie zur Lebenssituation und zu Problemlagen von Frauen mit Behinderungen finden Sie hier:

Schröttle, M.; Hornberg C. (2012): Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland. Ergebnisse der quantitativen Befragung. Endbericht. Bielefeld, Frankfurt, Köln, München: BMFSFJ. Zugriff unter: https://www.bmfsfj.de/blob/94206/1d3b0c4c545bfb04e28c1378141db65a/lebenssituation-und-belastungen-von-frauen-mit-behinderungen-langfassung-ergebnisse-der-quantitativen-befragung-data.pdf.